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Das Korrekturlesen ist zweite Säule meiner Tätigkeit. Dafür gibt es eine Reihe von Namen: Lektorieren, Überfliegen, textuelles Überarbeiten, Korrekturlesen, Aufbessern, „Upgrading“, aber das Konzept bleibt immer dasselbe: Texte werden repariert, die zwar halbwegs kompetent formuliert sind, aber noch einiges zu wünschen übrig lassen. Diese Option ist interessant für gebildete Deutsche, besonders solche der jüngeren Jahrgänge, die eine wachsende Vertrautheit mit der Weltsprache Englisch zeigen. Schließlich ist auch Englisch eine germanische Sprache, sodaß gerade Deutsche viel „Starthilfe“ mitbekommen. Dazu kommen noch die langen Jahren des Englischunterrichts in der Schule, womöglich zahlreiche Reisen im Ausland, die häufige Lektüre englischsprachiger Texte sowie die O-Ton-Filme, die immer öfter zu sehen sind in den Kinos, denn Englisch ist heute allgegenwärtig und zwar nirgendwo mehr als in der Welt der Wissenschaft und der Kommunikation. Fazit: für die junge Generation ist das Ziel nicht unerreichbar, aus freien Stücken ein halbwegs anständiges Englisch zu Papier zu bringen. Ist diese Voraussetzung erfüllt, kommt eine Textüberarbeitung durchaus in Frage.
Wie läuft dieses Verfahren ab? Folgendermaßen: Sie schreiben Ihren Text, so gut Sie es können, dann bin ich als erwiesener Profi dran. Ein paar Tage später erhalten Sie von mir eine feinfühlige Überarbeitung zurück, die alle fachlich-inhaltlich-sprachlichen Aspekte berücksichtigt. Mit wachem Auge „überfliege“ ich Ihre Formulierungen und schreibe die Änderungen, die ich vorschlage, direkt zwischen die Zeilen Ihres Textes—entweder in der elektronischen Version oder im Ausdruck, ganz wie Sie möchten. Durch eine stilistische Verbesserung, durch einen syntaktischen Umbau, durch ein passenderes Wort kann ich Ihrem Text zu noch größerer Wirkungskraft bei Ihrer englischsprachigen Leserschaft verhelfen. Am Schluß ist Ihr Text absolut druckreif, das garantiere ich. (Für Näheres dazu klicken Sie auf Garantie). Im Extremfall kann es sein, daß wir uns ganz am Schluß zusammensetzen müssen, um mit einigen noch verbleibenden Unklarheiten aufzuräumen. Denn ist eine jeweilige Textpassage für mich nachvollziehbar über alle Fehlformulierungen hinweg, so kann ich meist die erforderliche Korrektur anbringen; ist aber die Stelle unrekonstruierbar „dunkel“, also absolut unnachvollziehbar auch nach langer Überlegung, dann hilft alle Korrekturkunst nicht: ich muß den Autor selbst fragen, was er mit seiner rätselhaften Formulierung beabsichtigt. Ist diese Sache im Zweiergespräch geklärt, so steht dem Anbringen der passenden Korrektur nichts mehr im Wege.
Nun also zum Vorteil: Erfahrungsgemäß kostet eine Lektorarbeit nur ein Drittel oder (bei schwierigen Fällen) bis zur Hälfte des Preises für eine Übersetzung. Was sicherlich für das Lektorieren als günstigste Lösung spricht. Aber man soll sich eines vor Augen halten: das Lektorieren lohnt sich nur, wenn der Text, wie oben angedeutet, halbwegs kompetent formuliert ist—„kompetent“ in dem Sinne, daß die bearbeitungsbedürftigen Textstellen für den Lektor verständlich bleiben. Konkret: er muß an jeder mangelhaften Formulierung vorbei die dahinterliegende Absicht des Autors erahnen können. Dies erfolgt in zwei Schritten: zuerst versucht der Lektor die Bedeutung bzw. Absicht der betreffenden Aussage—egal wie verdreht oder seltsam sie formuliert sein mag—zu rekonstruieren; erst dann, in einem zweiten Schritt, kann er dazu übergehen, diesen Inhalt in einem verbesserten Englisch zu vermitteln.
Ist die Zahl der dunklen Passagen groß, sodaß ich als Lektor immer wieder zwischen zwei oder drei möglichen Absichten des Autors quasi blind wählen muß, so ist von von einer Textkorrektur abzuraten: zugunsten einer Übersetzung, die zwar teuerer ist, aber für Sie als Kunde doch letzten Endes ein einwandfreies Ergebnis liefert. Wenn Sie trotzdem darauf bestehen, einen sehr schlecht formulierten Eigentext korrigieren zu lassen, müssen Sie ein langes Klärungsgespräch am Schluß einkalkulieren, denn nur so kann ich das Gestrüpp der undurchschaubaren Formulierungen durchdringen! Handelt es sich um einen sehr anspruchsvollen Text, in dem jedes Wort zählt und richtig „sitzen“ muß, der keine bloße „Verpackung“ für den Inhalt ist, sondern als sprachliches Gebilde selbst wirken soll, so sollte man sich fast immer für die Übersetzungs-Option entscheiden. Zugegeben, Sie zahlen ein bißchen mehr, aber am Schluß können Sie in der Weltsprache Englisch wirklich glänzen—wie Neuschnee in der Sonne, wenn Sie mir die Metapher gestatten! Eine zweite Metapher empfiehlt sich auch: Sie bringen eine löchrige alte Jeans zur Änderungs-Schneiderei. Aber der Webstoff ist dermaßen geschwächt, er bricht bald wieder auseinander—trotz gechickten Flickens. Da bleibt nichts anders übrig, als daß man sich eine neue Jeans kauft! Es kostet zwar mehr, aber man hat zumindest etwas danach, was tragbar ist. So verhält es sich bei der Korrektur eines sehr schlecht formulierten Textes: es lohnt sich kaum, so groß ist die Kluft zwischen Arbeitseinsatz und Endergebnis. Was der Kunde wirklich braucht, ist eine frischgegoßene Übersetzung des vermutlich gut formulierten Original-Texts.
Fazit: Je nach dem, was Sie mit Ihrem Text bezwecken und wie gut Ihr Englisch ist, wird sich (eventuell erst nach klärendem Gespräch mit mir) die eine oder die andere Option (Übersetzen oder Textkorrektur) als die richtige für Sie erweisen, wobei das Preis-Leistungs-Verhältnis natürlich bei Ihrem Kalkül eine Rolle spielen wird.
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